Thorweg 1

Wann es Noth thut, stehen zu bleiben
Wenn die Massen zu wüthen beginnen und die Vernunft sich verdunkelt, thut man gut, sofern man der Gesundheit seiner Seele nicht ganz sicher ist, unter einen Thorweg unterzutreten und nach dem Wetter auszuschauen.
Menschliches, Allzumenschliches II, #303

This thought-provoking aphorism from 1878 looks ahead to the Thorweg at which Zarathustra will come to understand the eternal return. But it also looks ahead to another Thorweg 10 years in the future when Nietzsche's own 'Massen' will begin 'zu wüthen' and when his own 'Vernunft sich verdunkelt' and the 'Gesundheit seiner Seele' will collapse. It is Heidegger's repeated point in his Nietzsche lectures (1937-1941) that Nietzsche was able to discern the abysmal paths des Nichts which are knotted at this gateway, but was unable to traverse them (which is the only way to a transformed Gesundheit der Seele).

Why and how unable? Because unable, as Nietzsche himself says, 'nach dem Wetter auszuschauen'.

The weather at this gateway is the gigantomachia, the contesting possibilities of being. Only one of these, that of the child 'holding to both', offers the possibility of a traversable space of the door. Such a space is internal to the child, but as a fundamental feature of being it also offers such transitive space between the shapes at origin, as well as between the seeker and the realm (Heidegger says "Ortschaft", "Wesensreich" or simply 'da') of those shapes.

To find the space he needed in order to go on, Nietzsche therefore needed to come back from what he was seeking (the Zusammengehörigkeit of the child) and take the path to the gigantomachia at origin which is first illuminated by that Zusammengehörigkeit. After reaching the gigantomachia along this way, he would then have to take another path within it, one still shaped by the child's Zusammengehörigkeit, to cross over to the child. Here he would first find exactly that Zusammengehörigkeit which had enabled and powered his way to it.

As Heidegger notes at the end of SZ: "Es gilt, einen Weg zur Aufhellung der ontologischen Fundamentalfrage zu suchen und zu gehen. Ob er der einzige oder überhaupt der rechte ist, das kann erst nach dem Gang entschieden werden." (S 437)

Of course, there are a host of riddles implicated in all this. How can time circle around on itself so that the later comes before the earlier and is able to mark the way to itself? And who makes this journey, if it is the constitution and health of the self which is at stake here? And just where and when does all this transpire?

What is so remarkable about Nietzsche is that he saw these riddles so clearly, more clearly perhaps than anyone else, but was unable to guess their meaning for his own life or, therefore, to follow the course marked out by them. "Der Genesende" section in Zarathustra, a description "der eigenen Erlösung", maps out these riddles as follows:

1. Eines Morgens, nicht lange nach seiner Rückkehr zur Höhle, sprang Zarathustra von seinem Lager auf wie ein Toller, schrie mit furchtbarer Stimme und gebärdete sich, als ob noch Einer auf dem Lager läge, der nicht davon aufstehn wolle; und also tönte Zarathustra's Stimme, dass seine Thiere erschreckt hinzukamen, und dass aus allen Höhlen und Schlupfwinkeln, die Zarathustra's Höhle benachbart waren, alles Gethier davon huschte, fliegend, flatternd, kriechend, springend, wie ihm nur die Art von Fuss und Flügel gegeben war. Zarathustra, aber redete diese Worte: „Herauf, abgründlicher Gedanke, aus meiner Tiefe! Ich bin dein Hahn und Morgen-Grauen, verschlafener Wurm: auf! auf! Meine Stimme soll dich schon wach krähen! Knüpfe die Fessel deiner Ohren los: horche! Denn ich will dich hören! Auf! Auf! Hier ist Donners genug, dass auch Gräber horchen lernen! Und wische den Schlaf und alles Blöde, Blinde aus deinen Augen! Höre mich auch mit deinen Augen: meine Stimme ist ein Heilmittel noch für Blindgeborne. Und bist du erst wach, sollst du mir ewig wach bleiben. Nicht ist das meine Art, Urgrossmütter aus dem Schlafe wecken, dass ich sie heisse weiterschlafen! Du regst dich, dehnst dich, röchelst? Auf! Auf! Nicht röcheln reden sollst du mir! Zarathustra ruft dich, der Gottlose! Ich, Zarathustra, der Fürsprecher des Lebens, der Fürsprecher des Leidens, der Fürsprecher des Kreises dich rufe ich, meinen abgrundlichsten Gedanken! Heil mir! Du kommst, ich höre dich! Mein Abgrund redet, meine letzte Tiefe habe ich an's Licht gestülpt! Heil mir! Heran! Gieb die Hand ha! lass! Haha! — Ekel, Ekel, Ekel wehe mir!“

2. Kaum aber hatte Zarathustra diese Worte gesprochen, da stürzte er nieder gleich einem Todten und blieb lange wie ein Todter. Als er aber wieder zu sich kam, da war er bleich und zitterte und blieb liegen und wollte lange nicht essen noch trinken. Solches Wesen dauerte an ihm sieben Tage; seine Thiere verliessen ihn aber nicht bei Tag und Nacht, es sei denn, dass der Adler ausflog, Speise zu holen. Und was er holte und zusammenraubte, das legte er auf Zarathustra's Lager: also dass Zarathustra endlich unter gelben und rothen Beeren, Trauben, Rosenäpfeln, wohlriechendem Krautwerke und Pinien-Zapfen lag. Zu seinen Füssen aber waren zwei Lämmer gebreitet, welche der Adler mit Mühe ihren Hirten abgeraubt hatte.

Endlich, nach sieben Tagen, richtete sich Zarathustra auf seinem Lager auf, nahm einen Rosenapfel in die Hand, roch daran und fand seinen Geruch lieblich. Da glaubten seine Thiere, die Zeit sei gekommen, mit ihm zu reden. „Oh Zarathustra, sagten sie, nun liegst du schon sieben Tage so, mit schweren Augen: willst du dich nicht endlich wieder auf deine Füsse stellen? Tritt hinaus aus deiner Höhle: die Welt wartet dein wie ein Garten. Der Wind spielt mit schweren Wohlgerüchen, die zu dir wollen; und alle Bäche möchten dir nachlaufen. Alle Dinge sehnen sich nach dir, dieweil du sieben Tage allein bliebst, tritt hinaus aus deiner Höhle! Alle Dinge wollen deine Ärzte sein! Kam wohl eine neue Erkenntniss zu dir, eine saure, schwere?
Gleich angesäuertem Teige lagst du, deine Seele gieng auf und schwoll über alle ihre Ränder. —“
„Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra, schwätzt also weiter und lasst mich zuhören! Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten. Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind: sind nicht Worte und Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem? Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt. Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken."
(...)
„Oh Zarathustra, sagten darauf die Thiere, Solchen, die denken wie wir, tanzen alle Dinge selber: das kommt und reicht sich die Hand und lacht und flieht und kommt zurück. Alles geht, Alles kommt zurück; ewig rollt das Rad des Seins. Alles stirbt, Alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins. Alles bricht, Alles wird neu gefügt; ewig baut sich das gleiche Haus des Seins. Alles scheidet, Alles grüsst sich wieder; ewig bleibt sich treu der Ring des Seins. In jedem Nu beginnt das Sein; um jedes Hier rollt sich die Kugel Dort. Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ —

June 16, 2004 in Nietzsche, Space of the door | Permalink